Kurzanimation

Fakten

Wie kommt es zu Eisunfällen

 

Viele Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, unterschätzen die Gefahren und begeben sich auf ungesicherte zugefrorene Seen und Teiche.

 

Auch wenn ein Teich komplett zugefroren ist und sicher scheint, können unterirdische Strömungen oder Zuflüsse die Eisbildung stark behindern. Diese sind nicht sichtbar. Es kommt zu einer unterschiedlich dicken Eisdecke, selbst wenn die Eisdecke am Rand mehr als 15cm Dicke aufweist.

 

Nicht nur, aber vor allem wenn es taut, kommt es immer wieder zu Einbrüchen ins Eis und gefährlichen Verletzungen.

Was passiert durch das plötzliche Abkühlen im Eiswasser

 

  • Wasser hat eine 25x höhere Wärmeleitfähigkeit als Luft
  • daher 2-bis 5-fach schnelleres Auskühlen im Wasser
  • Atmung fällt durch das eisige Wasser schwer, man verliert sehr schnell an Kraft, kann sich bald gar nicht mehr bewegen
  • Der Körper kann die eisigen Temperaturen nicht lange aushalten
  • Der Körper versucht sich zu wehren: Die Durchblutung von Armen, Beinen, Haut
    und Muskeln wird verringert, nur mehr lebenswichtige Organe werden versorgt
  • Starkes Zittern (produziert Wärme)
  • Nach wenigen Minuten werden die Muskeln so kalt, dass man sich nicht mehr bewegen kann
  • Allein durch das Erschrecken beim Einbruch ins Wasser kann es bei Menschen mit einer Herzkreislauf-Schwäche zu Herzrythmusstörungen kommen
  • Je nach Kälte des Wassers wird die eingebrochene Person nach einiger Zeit desorientiert und bald darauf bewusstlos
  • Danach hört das Herz auf zu schlagen
  • Durch die eisige Temperatur ist aber manchmal auch nach einem Herzstillstand eine Wiederbelebung möglich

Vorbeugen

Was Sie tun können, um einem Eiseinbruch vorzubeugen:

 

  • Immer auf Hinweisschilder und Warnungen der Feuerwehr etc. achten!
  • Gut prüfen, ob das Eis dick genug ist:
    • See: mind. 15cm Eisdecke fürs Begehen notwendig
    • Fließende Gewässer: mind. 20cm Eisdecke! Flüsse sind gefährlicher – Strömung verhindert dicke Eisbildung
    • Dicke des Eises variiert oft stark, gegen den Rand ist das Eis meist dicker – nicht nur am Rand messen
  • Auch unterirdische warme Zuflüsse oder Quellen können die Eisdecke beeinflussen – sie sind nicht sichtbar
  • Seichte Gewässer frieren stärker zu als tiefe
  • Bei Knacksen, Knarren, Knistern des Eises sofort die Eisfläche verlassen!
  • Entstehen Risse unter den Füßen: sofort hinlegen und vorsichtig zurück robben, und zwar den Weg den man gekommen ist
    (das Eis hat einen ja gerade gehalten)
  • NIE alleine auf zugefrorenen Seen oder Flüssen aufhalten!

Verhalten bei einem Eiseinbruch

Lebensrettende Maßnahmen

 

  • Versuchen, Ruhe zu bewahren und sich zu entspannen, normal zu atmen
  • Arme ausbreiten und nach vorne fallen lassen, um nicht unter die Eisdecke zu geraten
  • Möglichst nicht mit den Armen herumschlagen – wenig bewegen
  • Laut um Hilfe rufen – Achtung, dass Helfer nicht aufrecht zu Hilfe eilt und selbst einbricht
  • Im Wasser: Nicht versuchen Kleidung oder Schuhe auszuziehen!
    • sie zieht nicht hinunter, sondern gibt evtl. sogar Auftrieb (Daunen),
    • außerdem sind die Finger rasch taub und man verliert wertvolle Zeit
    • Kleidung schützt vor dem noch schnelleren Auskühlen
  • In die Richtung drehen, von der man gekommen ist – dort hatte das Eis ja noch standgehalten
  • Arme so weit wie möglich aufs Eis legen
  • Wenn vorhanden, einen spitzen Gegenstand verwenden, um Halt zu gewinnen und sich hinauszuziehen
  • Mit den Füßen vorsichtig strampeln, bis man in eine horizontale Lage kommt
  • Wenn möglich (bei einem kleinen Loch), Beine auf Eis legen – möglichst große Oberfläche mit Körper einnehmen
  • Sonst auf Ellenbogen vorsichtig hinausziehen und flach liegenbleiben, um das Gewicht zu verteilen
  • Vom Loch vorsichtig und ohne schnelle Bewegungen wegschieben
  • Ist die Eisschicht zu dünn und brüchig und bricht immer weiter, mit den Ellenbogen den Weg zu festerem Eis oder zu nahem Ufer freibrechen, bis es einen trägt
  • Rasch zum Aufwärmen an einen warmen, trockenen Ort – langsam mit Decken etc. aufwärmen, nicht mit heißem Wasser (kann zu Verbrennungen und Schmerzen führen)

Was tun, wenn man unter die Eisdecke gerät

 

  • Wenn Aufbrechen unmöglich ist, das Eis auf eine dünnere Schicht abtasten
  • Schneebedeckte Eisfläche: Hellen Fleck suchen = Loch
  • Blankes Eis: dunklen Fleck suchen!

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Wie man jemandem zu Hilfe kommt, der ins Eis eingebrochen ist:

  • Für eigene Sicherheit sorgen!
  • Notruf 144 (Leitstellendisponent entsendet zusätzlich Spezialkräfte - Wasserrettung)
  • Eingebrochener Person beruhigend zureden, Anweisungen geben, wachhalten
  • Niemals aufrecht stehend aufs Eis!
  • Am besten zu zweit – Hilfe holen: einer legt sich aufs Eis, der andere hält die Beine
  • Hilfsmittel: Ast, Schal, Jacke, Leiter, Brett, Leine, etc. zu eingebrochener Person schieben
  • Nach Möglichkeit von Ufer aus agieren! Wenn Sie das Eis betreten, dann nie stehend, sondern robben (Gewichtsverteilung!)
  • Nie selbst nach dem Betroffenen tauchen, wenn er/sie unter die Eisdecke gerät!
  • Auf sicherem Boden nasse Kleidung sofort entfernen, ohne dabei die Person viel zu bewegen!

Versorgung eines Unterkühlten:

  • Betroffener zittert stark und ist bei vollem Bewusstsein (35-33°): ins Warme, Trockene, Windgeschützte bringen, nasse Kleidung entfernen, Decken und warme, zuckerhaltige Getränke (kein Alkohol, Kaffee oder Schwarztee)
  • Rettungsdecke: Silber zum Betroffenen
  • Betroffener desorientiert, kaum zitternd, eher starre Muskeln, deutliche Abnahme von Herz- und Atemfrequenz (33-30°): so wenig wie möglich bewegen, nicht ausziehen!
    Ist die Person ansprechbar, ihm sagen, dass er sich nicht bewegen soll, liegen lassen
  • Betroffener bewusstlos (unter 30°): möglichst wenig bewegen, in Stabile Seitenlage bringen und auf Hilfe warten, wenn keine Atmung/Herzstillstand – Wiederbelebung

Allgemein:

 

  • Kleidung erst im Trockenen, Warmen entfernen; möglichst wenig bewegen, nicht in aufrechte Position bringen – "Bergetod" durch Vermischung von kaltem Blut in Armen/Beinen und warmem Kernblut!
  • Wärmen durch Decken, Körperkontakt, Schlafsack etc.
  • nur bei vollem Bewusstsein warme Getränke, keine heiße Dusche!
  • Kein Reiben/Rubbeln der Arme und Beine!
  • Betroffene Person wachhalten
  • Nach Einbrechen und Unterkühlung immer Rettung/Arzt rufen!

Selbstschutz

Notruf 144

©2017 Samariterbund

Quelle: Retten - Schwimmen - Tauchen.  ARGE ÖWRW, 2010, S. 139.

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